Die Aussicht

Ist es nicht eigenartig, dass uns ein Blick ins Weite so viel Freude bereiten kann? Auf Landkarten sind Aussichtspunkte gekennzeichnet. Wir nehmen, um diese zu erreichen, Strapazen auf uns . Eine Sicht, die auf Grund ihrer Lage nicht viele geniessen können, reizt um so mehr.  Die Aussicht vom Boot aufs Land lässt sich nicht mit der vom Land aufs Wasser vergleichen.

Ist es nicht eigenartig, dass uns ein Blick ins Weite so viel Freude bereiten kann? Auf Landkarten sind Aussichtspunkte gekennzeichnet. Wir nehmen, um diese zu erreichen, Strapazen auf uns . Eine Sicht, die auf Grund ihrer Lage nicht viele geniessen können, reizt um so mehr.

Die Aussicht vom Boot aufs Land lässt sich nicht mit der vom Land aufs Wasser vergleichen.

Kleines Riesenrad, Honfleur

Honfleur ist eine kleiner Hafenort nahe Le Havre, wo die Seine das Meer erreicht. Honfleur wirk mit seinen normannischen Häusern aus den letzten Jahrhunderten wie aus einer anderen Zeit. Bei Tag schlendern Touristenströme durch die engen Gassen hinauf zur Sankt Kathrins Kirche aus dem 15Jh. Sie ist ganz aus dunklem Holz gefertigt.

Steht man in ihr, fühlt man sich wie in einem umgekehrten Schiff, der Schiffsrumpf als Decke über einem hängend. Die Kirche wurde damals von einem Schiffsbauer errichtet. Verehrt wird darin eine junge Frau. Grosse Fotos mit ihrem Abbild hängen an den Holzwände. Wenig Licht dringt durch die kleinen Fenster. Wird es Abend und auch draussen dunkel, leuchtet das kleine Riesenrad vom Hafen her, das an das nahe Paris erinnert.

Nikon und Hasselblad

Ein Anfang?

Mit neun Jahren erhielt ich meine erste Kamera, eine Nikon.

- Wurde die Namenswahl meiner Tochter von meiner ersten Kamera beeinflusst? -

Mein Vater besass eine Hasselblad nebst einer Kleinbildkamera, die meine Mutter mit sich herumtrug. Wir hatten eine Dunkelkammer und 13 Wochen unbezahlte Ferien, in denen wir Europa bereisten. Wir fuhren mit Vorliebe an untouristische Orte, von denen es damals noch viele gab. Es wurde fotografiert. Wir waren oft auf Fähren unterwegs, schauten uns Hafenanlagen und Fischzuchten an. Wir sassen an dänischen Küsten und assen orangefarbige Hot Dogs. Zu Hause wunderte ich mich darüber, dass meine Mitschüler nicht wussten, was das war. In London und Edinburgh folgten die Hamburger und in Irland die Armut. Nordirland mit seinen stacheldrahtumzäumten katholischen Vierteln blieb fest in meiner Erinnerung haften.

Kurz nach der Wende schritten wir durch das Brandenburger Tor, ich befand mich in einer anderen Zeit. Die Meissener Porzellan-Kunstwerke ausgestellt in der staatlichen Fabrik, lenkte die Reise noch tiefer in die Vergangenheit.

Jeweils zurück in Stein am Rhein schaute ich meinem Vater in der Dunkelkammer zu, wie auf dem Fotopapier die Orte an denen wir waren, langsam wieder auftauchten.

Vielleicht begann ich mit neun zu malen, weil es eine Bildfindung ohne das Reisen ermöglichte – vielleicht.

Einige Jahre später nach dem Vorkurs an der Schule für Gestaltung und Kunst in Zürich, den ich mit Schwerpunkt Fotografie absolvierte, hörte ich auf zu fotografieren. Mit unter auch wegen der Digitalisierung, die zu Beginn nicht die Qualität lieferte, die ich gerne gehabt hätte.

Als ich das Projekt Leyline beim Kanton in diesem Jahr eingab, war mir nicht bewusst, wie viel dieses mit meinen Kindergewohnheiten zu tun hat, mit den regelmässig wiederkehrenden Reisen von damals. Das Projekt ist ein Weiterführen von etwas, das mir damals einen Rhythmus gab. Ein Wellenschlagen, welcher Neues brachte und Gewohntes in Frage stellte.